Ich glaube, dass Instagram heute die ziemlich genaue Entsprechung der großen gotischen Kathedralen ist. Soll heißen: eine große epochale Schöpfung, die mit Bildern von unbekannten Künstlern angefüllt wird und von deren Postings und Feeds wir alle zehren. Zwar mag das iPhone hier das eigentliche, „vollkommen magische Objekt” sein, das sich uns aneignet. Aber die App ist offenkundig vom Himmel gefallen, insofern sie sich zunächst als ein superlativisches Interface darstellt. Man darf nicht vergessen, dass derartige Applikationen die besten Boten der Dingwelt sind: Gerade im digitalen Bilderrausch liegt die Vollkommenheit und zugleich die Abwesenheit eines Ursprungs, eine Verwandlung von Momenten in Hashtags (getaggte Bilder sind viel auffindbarer als das eigene, ungetaggte Leben) – kurz, eine stille Betrachtung der Leben anderer, die uns am Reich des Wunderbaren eine Teilhabe versprechen.

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Love & Theft: Instagram

  • Gerrit Terstiege

摘要

Ich glaube, dass Instagram heute die ziemlich genaue Entsprechung der großen gotischen Kathedralen ist. Soll heißen: eine große epochale Schöpfung, die mit Bildern von unbekannten Künstlern angefüllt wird und von deren Postings und Feeds wir alle zehren. Zwar mag das iPhone hier das eigentliche, „vollkommen magische Objekt” sein, das sich uns aneignet. Aber die App ist offenkundig vom Himmel gefallen, insofern sie sich zunächst als ein superlativisches Interface darstellt. Man darf nicht vergessen, dass derartige Applikationen die besten Boten der Dingwelt sind: Gerade im digitalen Bilderrausch liegt die Vollkommenheit und zugleich die Abwesenheit eines Ursprungs, eine Verwandlung von Momenten in Hashtags (getaggte Bilder sind viel auffindbarer als das eigene, ungetaggte Leben) – kurz, eine stille Betrachtung der Leben anderer, die uns am Reich des Wunderbaren eine Teilhabe versprechen.