Körper und Raum
摘要
Architektur ist ein synästhetisches Phänomen, das nicht nur mit den Augen erfahren wird. Architektur geht im wahrsten Sinne unter die Haut, dem größten Sinnesorgan des Menschen, und wird multisensorisch wahrgenommen. Mit der Erfindung der Zentralperspektive begann allerdings das okularzentrierte Denken von Architektur und Stadt dominant zu werden und gipfelte in den Idealstädten von Palmanova bis Brasilia. Die Körper der Bewohner*innen wurden sukzessive zu Statist*innen degradiert und die Planung auf die Perspektive des Augen-Blicks zentriert. Betrachtet man heute Renderings, Architekturfotografie und das Bilderrauschen auf Instagram, so kann man erkennen, dass die Vermittlung von Architektur vorwiegend bildlastig geworden ist und alle anderen Sinneswahrnehmungen ausgeblendet werden. In der Architekturkritik, in Ausstellungen und Büchern dominiert die Sprache des Sehens und des geschönten Scheins, ohne Spuren des alltäglichen Lebens. Auch die VR-Technologien reduzieren Raum auf ein rein optisches wie akustisches Phänomen.