Wie auch andere, internationale Konzepte zur barrierefreien Kommunikation hat die Leichte Sprache das Ziel die kognitive Verarbeitung von Texten für eine bestimmte Zielgruppe zu erleichtern. In diesem Sinne werden standardsprachliche Texte im Rahmen eines intralingualen Übersetzungsprozesses in eine vereinfachte, verständlichere Version übersetzt. Die bisherigen Regelwerke und Ratgeber zur Erstellung von Texten in Leichter Sprache sind aus der Praxis heraus entstanden und ermangeln einer empirischen Überprüfung. Obwohl nachträglich eine theoretische Fundierung der Regelwerke stattgefunden hat, welche die existierenden Regeln mit bestehenden Befunden aus der linguistischen Grundlagenforschung zusammenführt (vgl. Bredel/Maaß 2016), sind die genauen Effekte, die die komplexitätsreduzierende Bearbeitung der Texte potenziell auf die kognitiven Verarbeitungskosten der Rezipienten hat, noch wenig empirisch untersucht. Dies gilt für unbeeinträchtigte Menschen und umso mehr für die sehr heterogene Zielgruppe der Leichten Sprache: Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung. Das aktuelle Projekt möchte an dieser Forschungslücke ansetzen, indem Prozesse der visuellen Wortverarbeitung eben dieser Zielgruppe untersucht werden. Während die Regelwerke einheitlich den Gebrauch von „einfachen“ und „kurzen“ Wörtern empfehlen (z. B.: Netzwerk Leichte Sprache 2013: 22, 26), bleiben sie eine Definition über die präzisen Faktoren, die ein Wort für die diversen Zielgruppen zu einem „leichten“ machen, schuldig. Allerdings gibt es einige in der linguistischen Grundlagenforschung ausführlich beschriebene Effekte auf die visuelle Wortverarbeitung, die für unbeeinträchtigte Erwachsene und Kinder gelten. Der Schwerpunkt dieser Untersuchung liegt deshalb auf dem Wortfrequenzeffekt, dem Wortlängeneffekt und dem Wiederholungseffekt sowie auf langfristigen Lerneffekten für niederfrequente Wörter. Es scheint möglich, dass kognitiv beeinträchtigte Menschen, die häufig nicht die gleiche Leseerfahrung haben wie Unbeeinträchtigte, auch Effekte beim Wortlesen nicht in der gleichen Weise zeigen. Ergebnisse dieser Studie sollen es ermöglichen die Regelwerke der Leichten Sprache im Bereich der Wortwahl zu reevaluieren und zu validieren.

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Hierarchien in der lexikalischen Komplexität

  • Laura Schiffl

摘要

Wie auch andere, internationale Konzepte zur barrierefreien Kommunikation hat die Leichte Sprache das Ziel die kognitive Verarbeitung von Texten für eine bestimmte Zielgruppe zu erleichtern. In diesem Sinne werden standardsprachliche Texte im Rahmen eines intralingualen Übersetzungsprozesses in eine vereinfachte, verständlichere Version übersetzt. Die bisherigen Regelwerke und Ratgeber zur Erstellung von Texten in Leichter Sprache sind aus der Praxis heraus entstanden und ermangeln einer empirischen Überprüfung. Obwohl nachträglich eine theoretische Fundierung der Regelwerke stattgefunden hat, welche die existierenden Regeln mit bestehenden Befunden aus der linguistischen Grundlagenforschung zusammenführt (vgl. Bredel/Maaß 2016), sind die genauen Effekte, die die komplexitätsreduzierende Bearbeitung der Texte potenziell auf die kognitiven Verarbeitungskosten der Rezipienten hat, noch wenig empirisch untersucht. Dies gilt für unbeeinträchtigte Menschen und umso mehr für die sehr heterogene Zielgruppe der Leichten Sprache: Menschen mit kognitiver Beeinträchtigung. Das aktuelle Projekt möchte an dieser Forschungslücke ansetzen, indem Prozesse der visuellen Wortverarbeitung eben dieser Zielgruppe untersucht werden. Während die Regelwerke einheitlich den Gebrauch von „einfachen“ und „kurzen“ Wörtern empfehlen (z. B.: Netzwerk Leichte Sprache 2013: 22, 26), bleiben sie eine Definition über die präzisen Faktoren, die ein Wort für die diversen Zielgruppen zu einem „leichten“ machen, schuldig. Allerdings gibt es einige in der linguistischen Grundlagenforschung ausführlich beschriebene Effekte auf die visuelle Wortverarbeitung, die für unbeeinträchtigte Erwachsene und Kinder gelten. Der Schwerpunkt dieser Untersuchung liegt deshalb auf dem Wortfrequenzeffekt, dem Wortlängeneffekt und dem Wiederholungseffekt sowie auf langfristigen Lerneffekten für niederfrequente Wörter. Es scheint möglich, dass kognitiv beeinträchtigte Menschen, die häufig nicht die gleiche Leseerfahrung haben wie Unbeeinträchtigte, auch Effekte beim Wortlesen nicht in der gleichen Weise zeigen. Ergebnisse dieser Studie sollen es ermöglichen die Regelwerke der Leichten Sprache im Bereich der Wortwahl zu reevaluieren und zu validieren.