Wolle, Mond und Sterne
摘要
Deutschdidaktiker:innen ist bewusst, dass das Literarische Lernen im Deutschunterricht der Schuleingangsphase häufig zugunsten einer Fokussierung auf den Schriftspracherwerb vernachlässigt wird, was wiederum aus lesesozialisatorischer und -motivatorischer Perspektive problematisch ist (vgl. Hurrelmann 2008; Richter/Plath 2005; Spinner 2004). Zudem ist davon auszugehen, dass über die ersten Schuljahre hinweg Filme in der Praxis eher selten zu Lerngegenständen avancieren, wobei aber Petra Anders und Michael Staiger mit Blick auf aktuelle bildungspolitische und fachdidaktische Entwicklungen konstatieren, dass das Medium Film im Begriff sei, „als Unterrichtsgegenstand ernst genommen zu werden“ (Anders/Staiger u. a. 2019, VII). Einem der wohl häufigsten Argumente von Lehrkräften, Filme nicht zu nutzen, nämlich dem Zeitmangel-Argument, tritt der Kurzfilm entgegen (vgl. dazu Bernhardts Ausführungen in diesem Band). Innerhalb weniger Minuten werden in anerkennenswerter ästhetischer Qualität und Vielfalt Geschichten erzählt, die in ihren Mehrdeutigkeiten zum Weiterdenken auffordern und literarisches und medienästhetisches Lernen ermöglichen. Bereits wenige Unterrichtsstunden können genügen, um der Lerngruppe eine ästhetische Erfahrung anzubieten und Gespräche als kulturelle Praxis zu etablieren.