Fantasma Ninon de Lenclos
摘要
„Lieber Otto Julius, gleich nachdem Sie dieses zu lesen angefangen haben werden, dürfte ich anklopfen, um Ihnen die entzückende Ninon zu bringen, wenn sie bishin fertig wird. Jetzt bin ich aber erst auf Seite 14.“1 – Mit dieser Bemerkung macht Franz Blei zu Beginn des Jahres 1901 den Herausgeber der Literatur- und Kunstzeitschrift Die Insel Otto Julius Bierbaum neugierig auf eine Figur, mit der er sich über mehrere Jahrzehnte hinweg immer wieder beschäftigen wird: Anne, genannt Ninon de Lenclos, jene legendenumwobene Zeitgenossin Ludwigs XIV., deren Name lange Zeit fast automatisch mit dem klischeebeladenen Begriff ‚Kurtisane‘ gekoppelt wurde und die erst in jüngerer Zeit als Philosophin in der Tradition Epikurs sowie auch als politische Akteurin im Paris des Grand Siècle Anerkennung findet.2