Über Gedichte und ihre Übersetzung
摘要
Gespräche über Poesie sind selten. Gespräche über das Übersetzen von Poesie finden in der Übersetzungswissenschaft kaum statt, obwohl dort viel von fiktionaler Literatur und vom „expressiven Texttyp”die Rede ist. Woran liegt das? Vielleicht an jenem ruinösen Mangel an ästhetischer Geschmacksbildung, der sich in dieser neuen Wissenschaft allenthalben bemerkbar macht. Die Lektüre translationswissenschaftlicher Abhandlungen bereitet dem an Lyrik interessierten Leser in der Regel nicht viel Vergnügen. Was Bertolt Brecht 1950 in ganz anderem Zusammenhang beklagt, gilt auch für die meisten Veröffentlichungen der Übersetzungswissenschaft: „nirgends ein ästhetischer begriff; das ganze ähnelt der beschreibung einer speise, bei der nichts über den geschmack vorkommt, wir müssten zunächst ausstellungen und kurse für geschmacksbildung veranstalten, d. h. für lebensgenuss.”1