Des „tares héréditaires”aux „anciens atavismes”: Körperinszenierungen und Frauenbilder im postnaturalistischen Werk Émile Zolas
摘要
Indem sich Zola in seinen frühen theoretischen Schriften auf die Physiologie beruft und im Vergleich zu anderen Autoren seiner Zeit vorgibt, ihr die Psychologie seiner Figuren unterzuordnen, verdeutlicht er von Beginn an die Relevanz des Körpers in seinem Werk. In Zolas Romanen und Erzählungen macht sich der Körper auf vielfältige Weise bemerkbar: als „Bauch von Paris“, d. h. als Allegorie einer sich anbahnenden Konsumgesellschaft, deren Waren in den zentralen Markthallen und Kaufhäusern der französischen Hauptstadt angeboten werden, wie in Le Ventre de Paris (1873) und Au Bonheur des Dames (1883); als „corps social“, d. h. als Metapher einer kränkelnden und dekadenten Welt, wie in Son Excellence Eugène Rougon (1876) und Paris (1897/98); als weiblicher Körper, der auf den Pariser Boulevards selbst zur Ware wird, wie in L’Assommoir (1877) und Nana (1880), bzw. als „corps de vierge“, der sinnbildlich für die sozialen Missstände einer ganzen Epoche steht, wie in La Faute de l’Abbé Mouret (1875) und Le Rêve (1888); und schließlich als männlicher Körper der Industriellen, der Kapitalisten und Bankiers, die auf Kosten der großen Mehrheit leben, wie in Germinal (1885) und L’Argent (1891), und deren oftmals entstellte und zur Animalität degradierten Körper auf ein entfremdetes Proletariat im Zeitalter der Industrialisierung verweisen.