Auf der Suche nach dem modernen Roman (3): Ordnungsversuche
摘要
Brochs Suche nach seinem Roman der Moderne zeigt sich in einer ganzen Reihe begrifflicher Annäherungen, mit Hilfe derer er ihn dingfest machen will.96 Neben dem bereits genannten Intensivroman und dem Intensivprinzip – „präziseste Architektonik in Inhalt und Form“ (s. o.) – benutzt er den Ausdruck polyhistorischer Roman, mit dem er auf die Integration von Wissensdiskursen abhebt, und zwar im Rahmen eines Romans als Medium der Reflexion. Der Polyhistor ist der umfassende Gelehrte; das Polyhistorische ist mit dem Bildungsaspekt verknüpft, aber auch mit dem Wissen schlechthin. Mit dem Begriff des erweiterten Naturalismus hält er einerseits am Realismus fest – am französischen und russischen Roman des 19. Jahrhunderts –, drängt aber zugleich auf Differenz von bloßer Abbildung und dem geistigen Erfassen einer komplexen Wirklichkeit in unterschiedlichen Facetten. Mit dem Begriff der „architektonischen Vielstimmigkeit“ versucht er, seinen und den Roman von Joyce abzugrenzen; Faulkner wäre hier als erster mitaufzunehmen. Zudem spricht er, wie hier schon mehrfach diskutiert, von der Differenz zwischen einem potenziell ‚natürlichen Erzählertum‘ im traditionellen Roman und dem Roman als Kunstform, wobei als Roman der Moderne natürlich Letzteres gilt.97