Es gibt viele gute Gründe dafür, vom Werk Hermann Brochs, Aushängeschild des deutschsprachigen Romans der Moderne, fasziniert zu sein. Broch ist ein Suchender und wer genau liest, sich auf seinen Roman als Medium der Reflexion einlässt, findet bei diesem Autor Inspiration auf hohem Niveau – teils Eigenwilliges, manchmal vielleicht sogar Problematisches, aber sehr viel Außergewöhnliches und Faszinierendes. Seine innovativen Texte sind durchkomponiert; in den abgeschlossenen, lange geplanten Werken Die Schlafwandler (1931–32) und Der Tod des Vergil (1945) ist keine Zeile dem Zufall überlassen. Das macht sie zu einem ebenso anregenden wie komplexen Puzzle. Broch selbst spricht in diesem Zusammenhang von einer ‚Sklavenarbeit der Präzision‘, die mit dem modernen Roman einsetze und das der Intuition folgende Schreiben – das ‚natürliche Erzählertum‘ – ablöse.1 Er bezieht sich mit diesem Ausdruck auf Gustave Flauberts 1857 (vollständig) erschienenen Roman Madame Bovary, auf dessen Erfindung des ‚Intensivromans‘, auf den Weg – wie er es sieht – von dem Roman als Gattung der Unterhaltungsliteratur zur vollgültigen Kunstform.

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Einleitung

  • Helmut Grugger

摘要

Es gibt viele gute Gründe dafür, vom Werk Hermann Brochs, Aushängeschild des deutschsprachigen Romans der Moderne, fasziniert zu sein. Broch ist ein Suchender und wer genau liest, sich auf seinen Roman als Medium der Reflexion einlässt, findet bei diesem Autor Inspiration auf hohem Niveau – teils Eigenwilliges, manchmal vielleicht sogar Problematisches, aber sehr viel Außergewöhnliches und Faszinierendes. Seine innovativen Texte sind durchkomponiert; in den abgeschlossenen, lange geplanten Werken Die Schlafwandler (1931–32) und Der Tod des Vergil (1945) ist keine Zeile dem Zufall überlassen. Das macht sie zu einem ebenso anregenden wie komplexen Puzzle. Broch selbst spricht in diesem Zusammenhang von einer ‚Sklavenarbeit der Präzision‘, die mit dem modernen Roman einsetze und das der Intuition folgende Schreiben – das ‚natürliche Erzählertum‘ – ablöse.1 Er bezieht sich mit diesem Ausdruck auf Gustave Flauberts 1857 (vollständig) erschienenen Roman Madame Bovary, auf dessen Erfindung des ‚Intensivromans‘, auf den Weg – wie er es sieht – von dem Roman als Gattung der Unterhaltungsliteratur zur vollgültigen Kunstform.