Kafka und Wien, eine schmerzhafte Beziehung
摘要
Kafkas Beziehung zur städtischen Welt und zum „urbanen Text“ ist mit dem „fantasmatischen Triangel“1 dreier mitteleuropäischer Städte, Prag, Berlin und Wien, untrennbar verbunden. Sein Verhältnis zu Wien, der Hauptstadt des habsburgischen Kaiserreiches, dessen Untertan er war, und das er doch als tödliches Riesendorf bezeichnete, erscheint oft als „weißer Fleck auf der Landkarte der Kafkaforschung“:2 Nach Wien kam er nämlich weniger als Tourist denn als „Durchreisender, als Kongreßteilnehmer, als Liebender, als Schwerkranker und schließlich als Sterbender“.3 Trotz seiner Aversion gegenüber der als veraltet und dekadent wahrgenommenen Wiener Metropole war doch Kafkas ganzes Leben durch Wien und den Verfall des 1867 gegründeten Kaiserreiches geprägt, von seiner Geburt bis zu seinem Tod im Sanatorium von Kierling im Norden Wiens.