Grenz- und Zwischenräume in Achim von Arnims Novelle Die Majorats-Herren (1819)
摘要
Für die Popularisierung eines normativen Novellen-Begriffs in der deutschen Literaturgeschichte ist vor allem Goethes Novelle (1828) maßgebend geworden. Damit wird leicht übersehen, dass es auch vor diesem späten Text Goethes schon eine Tradition gab, die Anspruch darauf machen konnte, die Poetik der Novelle – und vor allem auch ihre Praxis – zu bestimmen. Während wir es bei Goethes Novelle mit einem geschlossenen Text zu tun haben, sowohl formal als auch ideologisch, der allein schon durch den Titel eine Norm für die Gattung zu formulieren suchte, sind die Texte, die Goethe 1795 zunächst in Die Horen und dann später (1808) als Buchausgabe unter dem Titel Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten veröffentlichte, sehr viel offener. Diese Texte sind, sicher von ihrer Poetik her, regelloser, chaotischer und spielen dabei, ganz im Gegensatz zur späteren Novelle, auch bewusst mit der Möglichkeit, unterschiedliche Lesarten anzubieten.