Ähnlich und doch nicht gleich – Aspektsysteme im innerromanischen Vergleich am Beispiel aspektueller Verbalperiphrasen
摘要
Der vorliegende Beitrag widmet sich dem Bereich der Aspektualität aus sprachvergleichender Perspektive. Im Besonderen werden dabei Strukturen periphrastischen Ausdrucks in den Blick genommen. Periphrastizität gilt generell als Charakteristikum aller romanischen Sprachen, eine genauere Analyse zeigt jedoch, dass nicht alle Einzelsprachen (in ihrem gegenwärtigen Zustand und Gebrauch) in gleichem Maße periphrastisch sind. Nach einer grundlegenden Definition und Abgrenzung der Begriffe Aspekt vs. Aspektualität (Abschnitt 1) wendet sich der Beitrag dem Strukturtyp periphrastischer Verbalkonstruktionen zu und diskutiert den Begriff Verbalperiphrase insbesondere vor dem Hintergrund romanischer Sprachen (Abschnitt 2). In Abschnitt 3 folgt eine detaillierte Analyse periphrastischer Verbalkonstruktionen im Französischen, Italienischen und Spanischen (jeweils mit einem kurzen vergleichenden Blick auf das Deutsche). Dabei werden sowohl mehrere aspektuelle Kategorien (syntaktischer, quantitativer und phasaler Aspekt) als auch verschiedene ‚Abstufungen‘ von Periphrastizität (voll-periphrastische, semi-periphrastische sowie lexikalisch geprägte Konstruktionen) berücksichtigt. Ausgehend von diesen Erkenntnissen bietet Abschnitt 4 einen zusammenfassenden Gesamtüberblick über das jeweilige (voll- und semi-)periphrastische Inventar des Französischen, Italienischen und Spanischen und kommt zu dem Schluss, dass das Spanische – zumindest in Bezug auf verbalperiphrastische Strukturen – im Vergleich zu anderen romanischen Sprachen einen relativ hohen Grad an Periphrastizität aufweist. Das Italienische nimmt eine Art ‚Zwischenposition‘ ein, indem es einerseits (noch) periphrastische ‚Lücken‘ im Ausdruck prospektiver und retrospektiver Werte aufweist, andererseits aber auch bereits ‚Schwunderscheinungen‘ bzw. ‚Reduktionserscheinungen‘ hinsichtlich Gebrauchsfrequenz und Kombinatorik, vor allem bei Gerundialkonstruktionen. Im Gegensatz dazu erscheint das Französische mit seinem auffallend reduzierten (periphrastischen) Verbalsystem als die ‚fortschrittlichste‘ Sprache in dieser Entwicklung. Die (u.a. in der Typologieforschung) postulierte ‚Grammatikalisierungs-Hierarchie‘ kann somit in umgekehrter Reihenfolge (Spanisch > Italienisch > Französisch) als ‚Periphrastizitäts-Hierarchie‘ für den verbalperiphrastischen Bereich bestätigt werden.