Anhand eines Übersetzungskorpus mit Europarl-Beispielen in sechs Sprachen (Deutsch, Portugiesisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Englisch) werden 80 Belege von sterben müssen und seinen Entsprechungen analysiert, mit Fokus auf Deutsch und Portugiesisch. Darunter sind kaum Beispiele wie Alle Menschen müssen sterben zu finden, die sich auf das natürliche Sterbealter beziehen. Das Korpus enthält dagegen zahlreiche Belege, in denen der Tod hilfloser Lebewesen und seine Umstände im Mittelpunkt stehen. Das Verb müssen deutet dabei auf die Umstände und Ursachen des Todes und auf seine Opfer hin. Hiermit wird deutlich gemacht, dass es sich nicht um einen natürlichen Tod handelt, sondern die Opfer hätten durch entsprechende, aber nicht getroffene Maßnahmen gerettet werden können. Diese Verbindung zwischen Tod, Opfer und anderen Beteiligten wird hauptsächlich auf zweierlei Weise hergestellt: implizit anhand von sterben müssen in Beispielen der zirkumstantiellen müssen-Verwendung und expliziter auch durch temporale Nebensätze in Beispielen der teleologischen müssen-Verwendung. Dazu kommen lexikalische Ausdrucksmittel, die die Situation der Opfer betonen und in anderen Sprachen eine wichtige Rolle spielen, in denen modale Ausdrücke der Notwendigkeit nicht dieselbe implizite Bedeutung der Schuldzuweisung tragen wie müssen in Verbindung mit sterben. In anderen Sprachen werden modale Ausdrücke der Notwendigkeit hauptsächlich dann gebraucht, wenn Deutsch die Ausgangssprache ist. In den meisten Fällen weisen jedoch lexikalische Mittel auf die Opferrolle hin, die wir für die einzelnen Sprachen zusammenstellen, oder einfache Verben bzw. Nomen für sterben/Tod werden verwendet, d.h. es gibt keine Entsprechung für müssen. Ein anderer Unterschied zwischen Deutsch und anderen Sprachen betrifft die Verbindung zwischen den müssen-Sätzen und temporalen bzw. finalen Nebensätzen, die auch näher betrachtet wird.

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Alle Menschen müssen sterben, aber doch nicht so früh. Sterben müssen und der Ausdruck des (un)vermeidbaren Todes in anderen Sprachen

  • Judite Carecho,
  • Rute Soares

摘要

Anhand eines Übersetzungskorpus mit Europarl-Beispielen in sechs Sprachen (Deutsch, Portugiesisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Englisch) werden 80 Belege von sterben müssen und seinen Entsprechungen analysiert, mit Fokus auf Deutsch und Portugiesisch. Darunter sind kaum Beispiele wie Alle Menschen müssen sterben zu finden, die sich auf das natürliche Sterbealter beziehen. Das Korpus enthält dagegen zahlreiche Belege, in denen der Tod hilfloser Lebewesen und seine Umstände im Mittelpunkt stehen. Das Verb müssen deutet dabei auf die Umstände und Ursachen des Todes und auf seine Opfer hin. Hiermit wird deutlich gemacht, dass es sich nicht um einen natürlichen Tod handelt, sondern die Opfer hätten durch entsprechende, aber nicht getroffene Maßnahmen gerettet werden können. Diese Verbindung zwischen Tod, Opfer und anderen Beteiligten wird hauptsächlich auf zweierlei Weise hergestellt: implizit anhand von sterben müssen in Beispielen der zirkumstantiellen müssen-Verwendung und expliziter auch durch temporale Nebensätze in Beispielen der teleologischen müssen-Verwendung. Dazu kommen lexikalische Ausdrucksmittel, die die Situation der Opfer betonen und in anderen Sprachen eine wichtige Rolle spielen, in denen modale Ausdrücke der Notwendigkeit nicht dieselbe implizite Bedeutung der Schuldzuweisung tragen wie müssen in Verbindung mit sterben. In anderen Sprachen werden modale Ausdrücke der Notwendigkeit hauptsächlich dann gebraucht, wenn Deutsch die Ausgangssprache ist. In den meisten Fällen weisen jedoch lexikalische Mittel auf die Opferrolle hin, die wir für die einzelnen Sprachen zusammenstellen, oder einfache Verben bzw. Nomen für sterben/Tod werden verwendet, d.h. es gibt keine Entsprechung für müssen. Ein anderer Unterschied zwischen Deutsch und anderen Sprachen betrifft die Verbindung zwischen den müssen-Sätzen und temporalen bzw. finalen Nebensätzen, die auch näher betrachtet wird.