Die Kontrastive Pragmatik hat es schwer, ein überzeugendes tertium comparationis festzulegen; dies gilt insbesondere für die linguistische Höflichkeitsforschung – schon Konzept und Formen der Höflichkeit (cortesia, politesse, politeness, etc.) werden nämlich kulturspezifisch völlig unterschiedlich gewertet und sind daher aus der Sicht der kontrastiven Linguistik kaum miteinander vergleichbar. Ein Blick auf das kanonische Repertoire der Bitt-Formeln – im Italienischen, Französischen, Englischen und Deutschen – zeigt jedoch ein Bild, das vor allem für die historische Pragmatik von enormer Bedeutung ist: wiewohl die Formeln formal völlig unterschiedlich erscheinen, erweisen sie sich als Relikte von Pragmatisierungsprozessen, die gleichsam pan-europäische Phänomene widerspiegeln: so die Emergenz im höfischen Mittelalter, die Identifikation als sprachliches Abbild der Machtverhältnisse, die Evolution zwischen ständiger Abschleifung und Überformung sowie die Diffusion durch die Ausbreitung der europäischen Höfe. Welche überregionalen Diskurstraditionen sich aus diesem ‘höflichen’ Umgang mit volition konkret herausgebildet haben, wird anhand des unterschiedlichen Auftretens des lateinischen Lexems PLACERE in Bitt-Formeln exemplarisch gezeigt und mit verschiedenen Positionen des linguistischen politeness-Paradigmas näher zu erklären versucht.

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‘Gefälliges’ Bitten – oder: Sprachliche Höflichkeitskonventionen unter der kontrastiven Lupe

  • Gudrun Held

摘要

Die Kontrastive Pragmatik hat es schwer, ein überzeugendes tertium comparationis festzulegen; dies gilt insbesondere für die linguistische Höflichkeitsforschung – schon Konzept und Formen der Höflichkeit (cortesia, politesse, politeness, etc.) werden nämlich kulturspezifisch völlig unterschiedlich gewertet und sind daher aus der Sicht der kontrastiven Linguistik kaum miteinander vergleichbar. Ein Blick auf das kanonische Repertoire der Bitt-Formeln – im Italienischen, Französischen, Englischen und Deutschen – zeigt jedoch ein Bild, das vor allem für die historische Pragmatik von enormer Bedeutung ist: wiewohl die Formeln formal völlig unterschiedlich erscheinen, erweisen sie sich als Relikte von Pragmatisierungsprozessen, die gleichsam pan-europäische Phänomene widerspiegeln: so die Emergenz im höfischen Mittelalter, die Identifikation als sprachliches Abbild der Machtverhältnisse, die Evolution zwischen ständiger Abschleifung und Überformung sowie die Diffusion durch die Ausbreitung der europäischen Höfe. Welche überregionalen Diskurstraditionen sich aus diesem ‘höflichen’ Umgang mit volition konkret herausgebildet haben, wird anhand des unterschiedlichen Auftretens des lateinischen Lexems PLACERE in Bitt-Formeln exemplarisch gezeigt und mit verschiedenen Positionen des linguistischen politeness-Paradigmas näher zu erklären versucht.