Faire Unzuverlässigkeit
摘要
Unzuverlässiges Erzählen wird bislang zumeist mit anspruchsvoller sog. Hochliteratur in Verbindung gebracht und als schwer zugänglich für Lernende eingestuft. Der Beitrag zeigt am Beispiel von Holly Jacksons Besteller-Reihe A Good Girl’s Guide to Murder (2019–2022), dass auch in populärkulturellen Texten hochkomplexe unzuverlässige Erzählkonstruktionen Verwendung finden. Ausgehend davon wird in Anlehnung an ein Modell von Thomas Elsaesser eine Unterscheidung zwischen formaler und konzeptioneller Unzuverlässigkeit vorgeschlagen und mit Kessler ein Modus einer fairen Unzuverlässigkeit eingeführt, die genrespezifisch typisch für Kriminalgeschichten ist. Abschließend wird die These formuliert, dass Lernende formale, faire Unzuverlässigkeit als gut zugänglich akzeptieren und sie funktional als Mittel der Spannungserzeugung einordnen, dass sie aber entwicklungsbedingt den Umgang mit konzeptioneller Unzuverlässigkeit als herausfordernd empfinden, insofern sie epistemische Grundsatzfragen aufwirft.