Jack Unterweger – ein (literarischer) Fall
摘要
Auch und vor allem weil sein autobiographischer Roman Fegefeuer oder die Reise ins Zuchthaus (1983), in dem der Erzähler vorgibt, seine Taten zu bereuen (oder bereuen zu wollen), als erfolgreiche (literarische) Selbstreflexion über seinen ersten Frauenmord gelesen wurde – und zwar nicht von unbekannten Laienleser:innen, sondern von namhaften Autor:innen wie Günther Grass, Elfriede Jelinek und Ernst Jandl – konnte Johann („Jack“) Unterweger aus dem Gefängnis vorzeitig entlassen und damit dem Tod mindestens elf weiterer Frauen der Weg bereitet werden. Sein angeblicher Läuterungsroman, so die zu verifizierende Annahme, ist also in gewisser Weise unzuverlässig erzählt. Die „richtige“ Interpretation der Zuverlässigkeit des Erzählens in seinem Roman hätte, um es drastisch auszudrücken, Leben gerettet. Die literaturwissenschaftliche Analyse wird damit zur echten und nicht nur wie im Rahmen unterrichtlicher Arrangements zur Motivation der Schüler:innen eingesetzten – metaphorischen – Detektiv:innenarbeit. Der Beitrag diskutiert die Möglichkeiten des Einsatzes in der fortgeschrittenen Sekundarstufe II oder in der Erwachsenenbildung.