Täuschende Ausstellungen
摘要
Unzuverlässiges Erzählen in Textform erzeugt Irritation, schärft die ästhetische Wahrnehmung und setzt damit den Vorgang des Erzählens zentral. Allerdings ist das Erkennen von Unzuverlässigkeitssignalen voraussetzungsreich und nicht jede:r ist für die beschriebenen Irritationen von sich aus empfänglich. In diesem Artikel wird dargestellt, dass unterschiedliche Ausstellungsformate Möglichkeiten bieten, eine Wahrnehmungsschärfung herbeizuführen und die Irritationssensibilität zu erhöhen. Da nämlich Ausstellungen leibliche und synästhetische Erfahrungen im Raum ermöglichen, können sie besonders intensive Wahrnehmungen erzeugen. Ausstellungen, die beispielsweise damit spielen, dass ihre Besucher:innen sinnlich getäuscht werden, deren Bewegungen durch den Raum, Veränderungen der Körperhaltung oder der Betrachtungsstandpunkte auch die Wahrnehmung des Ausgestellten verändern, setzen die Besucher:innen der Erfahrung dieser Täuschungen aus. Durch das Bewusstsein für die Täuschung wird die Wahrnehmung selbst wahrnehmbar und daher auch ein reflexiver und ästhetischer Modus eingeführt. Auf diese Weise können Ausstellungen auch die Empfindungen von Unzuverlässigkeit in Literatur erfahrbar machen oder selbst unzuverlässige Narrative entwickeln und damit einen ästhetischen Wahrnehmungsmodus fördern.