Der Beitrag geht der Frage nach, wie eine hegemoniekritische Europabildung im Zusammenspiel von literarischen Texten und öffentlichen Räumen theoretisch fundiert und didaktisch entfaltet werden kann. Das entwickelte Modell begreift Europa nicht als feststehende Identität, sondern als offenes, umkämpftes Deutungsfeld. Es will Schüler:innen dazu befähigen, Deutungsmuster zu erkennen, Ambiguität auszuhalten und sich selbst als Subjekte politischer Artikulation zu erproben – nicht nur im Umgang mit Literatur, sondern auch im öffentlichen Raum. Im Zentrum steht eine konfliktorientierte Bildung, die weder auf Einigkeit zielt noch auf die Reproduktion vorgegebener Erzählungen, sondern auf die gemeinsame Aushandlung kultureller Bedeutung. Literatur und Raum werden als miteinander verschränkte Deutungsräume verstanden, die kulturelle Selbstverständlichkeiten reproduzieren, aber auch irritieren können. Aufbauend auf der Einsicht, dass Konsens kein neutraler Zustand, sondern Ausdruck kultureller Machtverhältnisse ist, werden literarische Texte und öffentliche Räume nicht nur als „Lernorte“ im klassischen Sinne verstanden, sondern insbesondere auch als politische Artikulationsräume, in denen die Deutungshoheit über Europa verhandelt wird.

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Konfliktorientierung, Hegemoniekritik und literarische Europabildung im außerschulischen Lernraum

  • Paul Bräutigam

摘要

Der Beitrag geht der Frage nach, wie eine hegemoniekritische Europabildung im Zusammenspiel von literarischen Texten und öffentlichen Räumen theoretisch fundiert und didaktisch entfaltet werden kann. Das entwickelte Modell begreift Europa nicht als feststehende Identität, sondern als offenes, umkämpftes Deutungsfeld. Es will Schüler:innen dazu befähigen, Deutungsmuster zu erkennen, Ambiguität auszuhalten und sich selbst als Subjekte politischer Artikulation zu erproben – nicht nur im Umgang mit Literatur, sondern auch im öffentlichen Raum. Im Zentrum steht eine konfliktorientierte Bildung, die weder auf Einigkeit zielt noch auf die Reproduktion vorgegebener Erzählungen, sondern auf die gemeinsame Aushandlung kultureller Bedeutung. Literatur und Raum werden als miteinander verschränkte Deutungsräume verstanden, die kulturelle Selbstverständlichkeiten reproduzieren, aber auch irritieren können. Aufbauend auf der Einsicht, dass Konsens kein neutraler Zustand, sondern Ausdruck kultureller Machtverhältnisse ist, werden literarische Texte und öffentliche Räume nicht nur als „Lernorte“ im klassischen Sinne verstanden, sondern insbesondere auch als politische Artikulationsräume, in denen die Deutungshoheit über Europa verhandelt wird.