Postmigrantische Narrative und ihre Ästhetik
摘要
Der Begriff der Postmigration entwickelt sich zunehmend als eine interdisziplinäre Analysekategorie und Wissensperspektive, die sich in der Literaturwissenschaft und jüngst auch in der Literaturdidaktik zu etablieren beginnt. Ein wesentliches Ziel der postmigrantischen Bildungsperspektive ist eine dem eurozentristischen Masternarrativ entgegenwirkende, gegenhegemoniale Aufarbeitung des Erzählens von Geschichte(n), indem die Perspektiven der Marginalisierten ins Zentrum gestellt werden. Dabei wurde bislang nur wenig erforscht, inwiefern von einer literarischen Ästhetik der Postmigration die Rede sein kann, wodurch diese sich möglicherweise auszeichnet und welche Schwerpunkte des literarischen Lernens sich im Literaturunterricht dementsprechend anbieten. Der Beitrag gibt einen Überblick über die aktuelle didaktische Diskussion zum Paradigma des Postmigrantischen und erarbeitet die ästhetischen Besonderheiten postmigrantischer Literatur und ihrer politischen Implikationen. Dabei wird beispielhaft am Roman Drei Kameradinnen von Shida Bazyar aufgezeigt, welche Möglichkeiten des literar-ästhetischen Lernens postmigrantische Texte bieten und welchen Einfluss sie auf Individuation, Sozialisation und Enkulturation in der Migrationsgesellschaft haben.