Die Frage ‚Kunst oder Leben?‘, die Klimaaktivist:innen 2022 medienwirksam stellten, hebt eine Debatte in die Öffentlichkeit, die die Literaturvermittlung in besonderer Weise betrifft. Infolge des Kompetenzparadigmas, das schulische Bildung und fachdidaktische Forschung prägt, steht der lebenspraktische Nutzen von Literatur im Mittelpunkt des Unterrichts, während andere literarische Dimensionen vernachlässigt werden. Vor diesem Hintergrund fragt der Beitrag nach dem nicht zu substituierenden Stellenwert des Literarischen. Am Phänomen mimetischer Rezeptionspraktiken, mit denen sich Grundschulkinder über eine Bilderzählung verständigen, entfaltet der Beitrag die Antwort, dass in der Begegnung mit künstlerischen Gegenständen ein kunstspezifisches Denken möglich wird, das sich anders nicht ereignen kann. Hiervon ausgehend wird sowohl für die schulische Praxis als auch für die literaturdidaktische Forschung das Desiderat formuliert, sich dem Zusammenhang zwischen mimetischen Rezeptionspraktiken und künstlerischem Denken verstärkt zu widmen.

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Literatur oder Leben?

  • Katrin Dammann-Thedens

摘要

Die Frage ‚Kunst oder Leben?‘, die Klimaaktivist:innen 2022 medienwirksam stellten, hebt eine Debatte in die Öffentlichkeit, die die Literaturvermittlung in besonderer Weise betrifft. Infolge des Kompetenzparadigmas, das schulische Bildung und fachdidaktische Forschung prägt, steht der lebenspraktische Nutzen von Literatur im Mittelpunkt des Unterrichts, während andere literarische Dimensionen vernachlässigt werden. Vor diesem Hintergrund fragt der Beitrag nach dem nicht zu substituierenden Stellenwert des Literarischen. Am Phänomen mimetischer Rezeptionspraktiken, mit denen sich Grundschulkinder über eine Bilderzählung verständigen, entfaltet der Beitrag die Antwort, dass in der Begegnung mit künstlerischen Gegenständen ein kunstspezifisches Denken möglich wird, das sich anders nicht ereignen kann. Hiervon ausgehend wird sowohl für die schulische Praxis als auch für die literaturdidaktische Forschung das Desiderat formuliert, sich dem Zusammenhang zwischen mimetischen Rezeptionspraktiken und künstlerischem Denken verstärkt zu widmen.