Die Ciappelletto-Novelle: Einzug Auktorialer Ironie in den Frommen Diskurs
摘要
Die Ciappelletto-Novelle ist – schon allein aufgrund ihrer exponierten Stellung – die am meisten gelesene und am meisten diskutierte Novelle des Dekameron. Was sie so diskutabel macht, ist eine ambivalente Haltung des Autors oder Erzählers gegenüber den religiösen Überzeugungen seines Zeitalters. Diese ambivalente Haltung ist verankert in einem Widerspruch, der sich auftut zwischen dem, was die Novelle angeblich zeigen soll, und dem, was sie wirklich zeigt: Auf der einen Seite der pompöse Rahmen einer vom Autor oder Erzähler193 in scholastischer Manier vorgebrachten religiösen Belehrung, welche besagt, daß Gottes Gnade so groß ist, daß er manchmal sogar jene Menschen erhört, die irrtümlich zu einem „falschen“ Heiligen beten, seien deren Gebete nur aufrichtig und rein; auf der anderen Seite das mit viel Spott auf die Leichtgläubigkeit und religiöse Inbrunst vieler Menschen seiner Zeit entworfene Bild eines gottlosen Schurken, der aufgrund einer frei erfundenen und in virtuoser Verstellung abgelegten Beichte nach seinem Tod zu einem Heiligen erklärt wird.