Schreiben stellt einen vielschichtigen Vorgang dar. Dabei existieren in Abhängigkeit von der Situation des Schreibens oder der Absicht der Schreiber*in unterschiedliche Funktionen des Schreibens. Es ist davon auszugehen, dass schreibkompetente Erwachsene ein implizites Bewusstsein für die Relevanz der schriftlich fixierten Sprache besitzen. Diese Relevanz muss für Kinder in der Primarstufe subjektiv ersichtlich und erfahrbar gemacht werden, um ihnen den Sinn des Schreibens zu veranschaulichen und sie dadurch zum Schreiben zu motivieren (s. Abs. 2.1). In der Primarstufe stehen die Lernenden am Anfang des Schriftspracherwerbs, dessen Entwicklung höchst individuell verläuft. Während in den ersten Schuljahren die Laut-Buchstaben-Zuordnung und die Graphomotorik im Vordergrund stehen, berücksichtigen Lernende ab der dritten Klasse zunehmend schriftsprachliche Konventionen (s. Abs. 2.2). Hier zeigen sich auf verschiedenen Ebenen Unterschiede: Bei erfahrenen Schreiber*innen stellt der Schreibvorgang einen graphomotorisch automatisierten Schreibprozess dar. Sie setzen dabei Wissen und Strategien gezielt zur Erstellung kohärenter Texte ein. Für weniger erfahrene Schreiber*innen stellt der Schreibvorgang einen immensen Kraftakt dar, da sie graphomotorisch nicht automatisiert schreiben und die mentale Kapazität für den inhaltlichen Ausbau von Texten begrenzt ist. Diese Herausforderungen sind der Motivation abträglich. Daher ist es wesentlich, Schreibprozesse so zu gestalten, dass sie an individuelle Entwicklungen anschließen und die spezifischen Hürden der Schreiber*innen in den Blick nehmen (s. Abs. 2.3).

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Das schreibende Individuum

  • Nadine Rack-Hellekes

摘要

Schreiben stellt einen vielschichtigen Vorgang dar. Dabei existieren in Abhängigkeit von der Situation des Schreibens oder der Absicht der Schreiber*in unterschiedliche Funktionen des Schreibens. Es ist davon auszugehen, dass schreibkompetente Erwachsene ein implizites Bewusstsein für die Relevanz der schriftlich fixierten Sprache besitzen. Diese Relevanz muss für Kinder in der Primarstufe subjektiv ersichtlich und erfahrbar gemacht werden, um ihnen den Sinn des Schreibens zu veranschaulichen und sie dadurch zum Schreiben zu motivieren (s. Abs. 2.1). In der Primarstufe stehen die Lernenden am Anfang des Schriftspracherwerbs, dessen Entwicklung höchst individuell verläuft. Während in den ersten Schuljahren die Laut-Buchstaben-Zuordnung und die Graphomotorik im Vordergrund stehen, berücksichtigen Lernende ab der dritten Klasse zunehmend schriftsprachliche Konventionen (s. Abs. 2.2). Hier zeigen sich auf verschiedenen Ebenen Unterschiede: Bei erfahrenen Schreiber*innen stellt der Schreibvorgang einen graphomotorisch automatisierten Schreibprozess dar. Sie setzen dabei Wissen und Strategien gezielt zur Erstellung kohärenter Texte ein. Für weniger erfahrene Schreiber*innen stellt der Schreibvorgang einen immensen Kraftakt dar, da sie graphomotorisch nicht automatisiert schreiben und die mentale Kapazität für den inhaltlichen Ausbau von Texten begrenzt ist. Diese Herausforderungen sind der Motivation abträglich. Daher ist es wesentlich, Schreibprozesse so zu gestalten, dass sie an individuelle Entwicklungen anschließen und die spezifischen Hürden der Schreiber*innen in den Blick nehmen (s. Abs. 2.3).