Legitimierungsumkehr
摘要
Im wissenschaftlichen Diskurs über die Gedenkkulturen der Ukraine herrschte lange Zeit die simplizistische Vorstellung vor, das Land sei zweigeteilt – in einen nationalistischen Westen und einen in sowjetischen Denkmustern verhafteten Osten. Insbesondere das Gedenken an den Zweiten Weltkrieg wurde – um die gebräuchliche Dichotomie nur ein wenig zuzuspitzen – als Widerstreit zwischen einem Kult um den Nationalisten Stepan Bandera und einem Kult des Großen Vaterländischen Kriegs dargestellt. Das von Ulrich Schmid geleitete Projekt „Region, Nation and Beyond: A Transcultural and Interdisciplinary Reconceptualization of Ukraine“ (2011–2015) hat maßgeblich dazu beigetragen, solche Schwarz-Weiß-Bilder zu nuancieren und den Blick der Forschung auf die Komplexität lokaler Praktiken – insbesondere auch Gedenkpraktiken – zu lenken.1