Wer „das Kommunistische Manifest“ sagt, kann unterschiedliche Dinge meinen. Im Hinblick auf eine Diskussion der Kanonisierung kann damit der Status des Textes bzw. dessen Idee, die im internationalen Diskurs als „das Manifest“ zirkuliert, gemeint sein. Davon abgrenzen kann man den Status oder die Bedeutung der Idee für eine bestimmte (Sub-)Kultur oder Sprachgemeinschaft. Diese können verknüpft sein mit dem Status einer bestimmten Fassung des Textes, wiederum in einer bestimmten Sprache oder Kultur (vielfach also eine Übersetzung) beziehungsweise darüber hinaus, wenn „das Original“ oder der „Urtext“ gemeint ist. Die Unterscheidung kann also zwischen der Kanonisierung der Idee (transkulturell, lokal) und der des Textes (Urtext, eine Sprachversion/Übersetzung) vorgenommen werden. Als Gegenstück zur transkulturell präsenten Idee des Textes kann auch statt einer Unterscheidung zwischen dem Status einzelner Fassungen versus jener des Urtextes das Konzept des polyglotten Makrotexts (O’Neill 2005) eingesetzt werden. Darunter kann man zum Beispiel die jeweils erste Ausgabe in allen/verschiedenen Sprachen verstehen. Beim Kommunistischen Manifest wäre eine Begrenzung auf die ersten Ausgaben in den sechs Sprachen, die in der Präambel genannt sind, möglich und für ein autor- oder textorientiertes Vorgehen eine gangbare Option. Alternativ kann die bekannteste oder „kanonische“ Übersetzung jeder Sprache herangezogen werden, die Leser:innen bekannt ist und der sie vertrauen bzw. zu vertrauen aufgefordert sind.

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Kanonisierung, Status und Übersetzung

  • Stefanie Kremmel

摘要

Wer „das Kommunistische Manifest“ sagt, kann unterschiedliche Dinge meinen. Im Hinblick auf eine Diskussion der Kanonisierung kann damit der Status des Textes bzw. dessen Idee, die im internationalen Diskurs als „das Manifest“ zirkuliert, gemeint sein. Davon abgrenzen kann man den Status oder die Bedeutung der Idee für eine bestimmte (Sub-)Kultur oder Sprachgemeinschaft. Diese können verknüpft sein mit dem Status einer bestimmten Fassung des Textes, wiederum in einer bestimmten Sprache oder Kultur (vielfach also eine Übersetzung) beziehungsweise darüber hinaus, wenn „das Original“ oder der „Urtext“ gemeint ist. Die Unterscheidung kann also zwischen der Kanonisierung der Idee (transkulturell, lokal) und der des Textes (Urtext, eine Sprachversion/Übersetzung) vorgenommen werden. Als Gegenstück zur transkulturell präsenten Idee des Textes kann auch statt einer Unterscheidung zwischen dem Status einzelner Fassungen versus jener des Urtextes das Konzept des polyglotten Makrotexts (O’Neill 2005) eingesetzt werden. Darunter kann man zum Beispiel die jeweils erste Ausgabe in allen/verschiedenen Sprachen verstehen. Beim Kommunistischen Manifest wäre eine Begrenzung auf die ersten Ausgaben in den sechs Sprachen, die in der Präambel genannt sind, möglich und für ein autor- oder textorientiertes Vorgehen eine gangbare Option. Alternativ kann die bekannteste oder „kanonische“ Übersetzung jeder Sprache herangezogen werden, die Leser:innen bekannt ist und der sie vertrauen bzw. zu vertrauen aufgefordert sind.