Platonov – ein Absurdist Wider Willen
摘要
Wie die Entstehungsgeschichte von Čevengur belegt, wurde Platonov sich im Lauf seiner Arbeit an dem Roman der Tatsache bewusst, dass zwischen seinen Vorstellungen von der kosmischen Umgestaltung der Welt und der Realisierung des Kommunismus in einem überwiegend bäuerlichen rückständigen Land eine unüberbrückbare Kluft klaffte. Der Autor ersetzt daher den Titel der Erstfassung des Romans, Die Erbauer des Landes (Stroiteli strany), durch den Namen der fiktiven Stadt Čevengur, die für das Scheitern einer spontan-anarchischen Utopie steht. Der Kritiker Litvin-Molotov schrieb Platonov nach der Lektüre der Erbauer des Landes, er habe den Eindruck, der Verfasser wolle in seinem Werk die „Unhaltbarkeit der Idee der Möglichkeit des Aufbaus des Sozialismus in einem Land“ („несостоятельность идеи возможности построения социализма в oдной стране“, Platonov 2019, Кн. II: 638) zeigen. Er stößt sich an der „chimärischen“ Gestalt des sowjetischen Don Quijote Kopenkin und bemängelt, dass statt des Aufbauthemas in dem Roman allerhand „Absonderliches“ (čudačestvo) im Vordergrund steht. Ohne Zweifel trägt der in die russische Revolution hineinversetzte verrückte Ritter mit seiner Pilgerreise zum Grab von Rosa Luxemburg groteske Züge. Er ist alles andere als ein „Erbauer“ (vgl. ebd.: 179) sondern ein aus der Zeit gefallener Abenteurer.