Don Quijote und Dulcinea in der Russischen Revolution: Platonovs Roman Čevengur
摘要
Die Ähnlichkeit zwischen Cervantes’ Don Quijote und der Gestalt Kopenkins aus Platonovs Roman Čevengur ist deutlich, ja überdeutlich markiert. Davon zeugt etwa das beiden Werken gemeinsame weltbekannte Motiv des Kampfes mit den Windmühlen. Beide Helden sind fahrende Ritter, der spanische caballero andante ebenso wie sein russisches Gegenstück, der revolutionäre stranstvujuščij rycar’ Kopenkin (vgl. Bagno: 2005). Zieht der eine auf seiner Mähre Rocinante auf der Suche nach Abenteuern im Namen seiner angebeteten Dame Dulcinea durch das Land, so reitet der andere auf dem Ross Proletmacht (Proletarskaja sila) durch Russland, um im Namen der toten Rosa Luxemburg revolutionäre Taten zu vollbringen. Hinter den ins Auge fallenden Gemeinsamkeiten beider Texte verbergen sich jedoch grundlegende Unterschiede. Die Funktionen der Protagonisten innerhalb des Romansujets sind deutlich verändert. Dies bestätigt die Ansicht, dass literarische Entlehnungen eher ein Mittel zur Realisierung der Intention der rezipierenden Seite sind, als dass sie einen Beweggrund für die Übernahme des Fremden darstellen1. Eine Antwort auf die Frage, wodurch Platonovs Anleihe bei Cervantes motiviert ist, wird am Schluss unseres Beitrags versucht werden.