Exposition
摘要
Im ersten Kapitel versetzt Raskolʹnikov bei der Pfandleiherin Alёna Ivanovna eine Taschenuhr, in deren Rückseite ein Globus eingraviert ist (PSS 6: 9 = 1.1). Uhr und Globus stehen für Zeit und Raum, also für die Realität in den Basiskategorien ihrer menschlichen Wahrnehmung. Die Weggabe der Uhr symbolisiert den Verlust des Bezugs zu Realität, namentlich zu ihrer räumlichen und zeitlichen Dimension. Raskolʹnikovs erleidet den typischen Realitätsverlust des Neurotikers. Das derart nicht gereifte und nicht reifende Ich verlegt sich auf Phantasien, anstatt sich mithilfe eines Überich und des dazugehörigen Realitätsprinzips auf die Realität einzulassen; wie gesagt nimmt Raskolʹnikovs Napoleon-Phantasie diese theoretische Einsicht Freuds vorweg (s. o. Kapitel „Raskolʹnikovs Neurose“). Das Realitätsprinzip gilt in ideengeschichtlicher Tradition als männlich-väterliches Prinzip (Bruns 2014, 799), demnach hat Raskolʹnikov es von seinem Vater zu erben. Dem steht jedoch die Vaterlosigkeit entgegen, die der Roman in ihrer historischen Bedingtheit zeigt.