Es ist Dostoevskij verschiedentlich zur Ehre und dem Roman als Merkmal besonderer Qualität angerechnet worden, dass letztlich die Liebe unter Menschen und nicht eine religiöse Bekehrung als Lösung des Problems des Helden erscheint (Braun s. o.; 1976, 133 f., 144). Andererseits will Dostoevskij jedoch Anklänge an einen „Liebesroman“ vermeiden (ebd., 135). Entsprechend sparsam fällt seine Darstellung der Liebe zwischen Raskolʹnikov und der zur einfachen Nebenfigur reduzierten Sonja aus. Das Glück einer konventionellen Paarbeziehung, die als solche in die Gründung einer Familie münden müsste, wird nicht entworfen, auch im Fall von Razumichin und Dunja nicht explizit gemacht. Nicht, um es auszuschließen, sondern weil es um „etwas anderes geht“ (Berman 2021, 52); durch dieses „andere“ gewinnt Dostoevskijs Erzählprosa erst ihre besondere Bedeutung (vgl. ebd.). Es hat unzählige Versuche gegeben, dieses andere in Interpretationen von Dostoevskijs Werk zu bestimmen. Dostoevskijs Kunst erweist sich nicht zuletzt darin, dass sein Roman durch einen außerordentlichen Reichtum an Anspielungen und dennoch gewahrter Konsistenz ihrer Implikationen zu einer unerschöpflichen Produktion von Interpretationen anregt.

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Schluss

  • Nils Meier

摘要

Es ist Dostoevskij verschiedentlich zur Ehre und dem Roman als Merkmal besonderer Qualität angerechnet worden, dass letztlich die Liebe unter Menschen und nicht eine religiöse Bekehrung als Lösung des Problems des Helden erscheint (Braun s. o.; 1976, 133 f., 144). Andererseits will Dostoevskij jedoch Anklänge an einen „Liebesroman“ vermeiden (ebd., 135). Entsprechend sparsam fällt seine Darstellung der Liebe zwischen Raskolʹnikov und der zur einfachen Nebenfigur reduzierten Sonja aus. Das Glück einer konventionellen Paarbeziehung, die als solche in die Gründung einer Familie münden müsste, wird nicht entworfen, auch im Fall von Razumichin und Dunja nicht explizit gemacht. Nicht, um es auszuschließen, sondern weil es um „etwas anderes geht“ (Berman 2021, 52); durch dieses „andere“ gewinnt Dostoevskijs Erzählprosa erst ihre besondere Bedeutung (vgl. ebd.). Es hat unzählige Versuche gegeben, dieses andere in Interpretationen von Dostoevskijs Werk zu bestimmen. Dostoevskijs Kunst erweist sich nicht zuletzt darin, dass sein Roman durch einen außerordentlichen Reichtum an Anspielungen und dennoch gewahrter Konsistenz ihrer Implikationen zu einer unerschöpflichen Produktion von Interpretationen anregt.