Die Rhetorik offenbart ein ambivalentes Verhältnis der Revolutionäre zum Sprachgebrauch: Einerseits setzten sie sich durch „neue Symbole“ (Berger 2019: 196) vom Ancien Régime ab, u. a. durch die Umbenennung von Straßen und Plätzen und die Einführung des Revolutionskalenders und (vgl. Kap. 2.3 und 2.4), anderseits rekurrierten sie bei der Verfassung von politischen Reden auf eine Tradition, die bis in die Antike zurückreicht, wie Grazia Berger ausführt: „Weiterhin hatte der Wunsch nach Erneuerung der Sprache zur Folge, dass nach möglichen Vorbildern gegriffen wurde, so beispielsweise nach der Sprache der Redner der griechischen Polis und vor allem der römischen Republik. Da die Redner der Revolution – unabhängig davon, ob es sich um Danton, Robespierre, Mirabeau oder andere handelte – meist eine gute rhetorische Ausbildung als Geistliche oder Juristen genossen hatten, stellte die Orientierung an den antiken Schriftstellern kein Problem dar. Selbst wenn die Inhalte nicht die gleichen waren, so konnte doch die sprachliche Präsentation, der Aufbau der Rede sowie die Selbstdarstellung der Redner an den antiken Reden ausgerichtet werden.“ (Berger 2019: 195)

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Rhetorik

  • Michael Schreiber

摘要

Die Rhetorik offenbart ein ambivalentes Verhältnis der Revolutionäre zum Sprachgebrauch: Einerseits setzten sie sich durch „neue Symbole“ (Berger 2019: 196) vom Ancien Régime ab, u. a. durch die Umbenennung von Straßen und Plätzen und die Einführung des Revolutionskalenders und (vgl. Kap. 2.3 und 2.4), anderseits rekurrierten sie bei der Verfassung von politischen Reden auf eine Tradition, die bis in die Antike zurückreicht, wie Grazia Berger ausführt: „Weiterhin hatte der Wunsch nach Erneuerung der Sprache zur Folge, dass nach möglichen Vorbildern gegriffen wurde, so beispielsweise nach der Sprache der Redner der griechischen Polis und vor allem der römischen Republik. Da die Redner der Revolution – unabhängig davon, ob es sich um Danton, Robespierre, Mirabeau oder andere handelte – meist eine gute rhetorische Ausbildung als Geistliche oder Juristen genossen hatten, stellte die Orientierung an den antiken Schriftstellern kein Problem dar. Selbst wenn die Inhalte nicht die gleichen waren, so konnte doch die sprachliche Präsentation, der Aufbau der Rede sowie die Selbstdarstellung der Redner an den antiken Reden ausgerichtet werden.“ (Berger 2019: 195)