Kinderlyrik im Grundschullesebuch zwischen Ästhetik und Funktionalisierung
摘要
Untersucht wird der Umgang mit Kinderlyrik in Grundschullesebüchern. Dabei wird das Spannungsverhältnis von ästhetischem Potenzial und didaktischer Funktionalisie- rung aus dem untersuchten Material heraus entwickelt. Ausgangspunkt ist das in der Literaturdidaktik bekannte Missverhältnis zwischen der frühen Freude von Kindern an Klang, Reim und Rhythmus und der später häufig negativen Einstellung Erwach- sener gegenüber Gedichten. Anhand von vier aktuellen Lesebüchern der dritten Klas- se werden Textauswahl, Aussagen der Lehrer:innenbände und methodische Zugänge untersucht. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede in Auswahl und Umgang mit Kinderlyrik: Während einige Werke stärker zeitgenössische Autor:innen berück- sichtigen und literarästhetische Zugänge betonen, dominieren in anderen traditionelle Texte und analytische Aufgabenformate. Zugleich wird deutlich, dass neuere Lehrwerke Gedichte zunehmend in Lautlesetraining integrieren, wodurch die Gefahr einer Funk- tionalisierung entsteht. Trotz dieser Tendenzen bleibt Lyrik im Lesebuch ein wichtiges Medium literarischen Lernens. Entscheidend ist eine methodisch reflektierte, textnahe Erschließung, die ästhetische Erfahrungen ermöglicht und die kindliche Freude an poetischer Sprache erhält.