Zur Rehabilitierung der Doxa bei Edmund Husserl
摘要
Was bedeutet es, die Trias „Glauben, Wissen, Meinen“ aus Sicht der Phänomenologie zu beschreiben? In Meinungsbildung und Meinungskrise erinnert Christian Bermes an den begrifflichen Ursprung des Wortes doxa, dessen Wortstamm dok ursprünglich das Glänzen bzw. Scheinen eines Lichtkörpers bezeichnete. Sieht man von dem konkreten Lichtkörper ab, so bleibt das Scheinen respektive der Anschein als solcher übrig, womit wir uns einerseits inmitten vertrauter Bedeutungskontexte der Meinung befinden (vgl. Bermes 2021: 30) sowie andererseits in unmittelbarer begrifflicher Nähe des Erscheinens. Wenn die Phänomenologie von den Erscheinungsweisen des Gegebenen ausgeht, wenn sie verständlich machen möchte, wie die stumme Erfahrung zu ihrem Sinn gelangt (Hua I: 77), wenn sie darstellen möchte, wie sich die eine Welt als ein umfassendes Sinngefüge konstituiert, so tut sie dies mit Hilfe eines Rückgangs. Wie wir sehen werden, sind wir in diesem Rückgang, den wir anhand der Phänomenologie Edmund Husserls nachvollziehen, auf die doxa zurückverwiesen und zugleich auf eine der elementaren Problemstellungen der Epistemologie: der Verhältnisbestimmung zwischen doxa und logos. Schon bei Platon begegnet uns die Meinung als das Scheinbare, Wandelbare, das sich heute so und morgen so zeigt. Sie ist das, was auf dem Wege zur wahrhaften Erkenntnis überwunden werden muss. Wahre Erkenntnis ist die Einsicht in das bleibende Sein der Ideen. In den Ideen finden wir das Seiende als notwendig seiend, als ewig und unveränderlich vor.