Metaphysische Dogmen im Naturalismus
摘要
Das Thema unserer Tagung fordert uns dazu heraus, nicht nur das anzusprechen, was wir wissen, sondern auch das, was wir bloß zu wissen glauben. Dies hat mich bewogen, meinen Beitrag mit einer Art Glaubensbekenntnis zu beginnen. In meinem „Glauben“, dem sogenannten Naturalismus, geht es allerdings weder um Religion noch um einen Gott, sondern um eine Grundvorstellung, wie die Welt beschaffen ist. Ein erster zentraler Inhalt dieses „Glaubens“ ist die Überzeugung, dass es eine naturgesetzliche Ordnung gibt, auf deren Grundlage alle Vorgänge im Universum ablaufen. Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Überzeugung, dass es genau einen Weg gibt, um verlässliche Erkenntnis zu gewinnen, nämlich denjenigen der Wissenschaft. Dank wissenschaftlicher Erkenntnis können wir heutzutage in erstaunlich vielen Bereichen Glauben durch Wissen ersetzen. Wir wissen heute, wie das Universum entstanden ist, nämlich durch einen Urknall, wir wissen, was die Grundsubstanzen des Universums sind, nämlich Energie und Materie, und wir wissen, wie der Mensch entstanden ist, nämlich durch die Evolution wie alle Lebewesen. Selbstverständlich gibt es auch Phänomene, welche die heutige Wissenschaft nicht, oder zumindest noch nicht, befriedigend erklären kann. Der menschliche Geist – oder breiter formuliert, das Bewusstsein – scheint zumindest mit den üblichen naturwissenschaftlichen Methoden nicht fassbar zu sein. Dies ist aber noch lange kein Grund, daran zu zweifeln, dass es sich auch beim menschlichen Geist um ein natürliches Phänomen handelt, denn der Naturalismus ist keineswegs auf die Behauptung festgelegt, psychische Phänomene seien auf Physik und Chemie reduzierbar.