„On grounds of originality, scarcely any Russian text belongs in the pantheon of European political thought“, heißt es beiläufig in einem neueren englischsprachigen Buch über die Geschichte der Modernisierung Russlands im „langen 18. Jahrhundert“ von 1676 bis 1825.1 Obwohl es in dem Werk dennoch ein kenntnisreiches Kapitel über „Ideology“ gibt,2 erinnert das strenge Zeugnis an die provozierende Kritik des prokatholischen zapadnik (Westlers) Petr Jakovlevič Čaadaev (1794–1856), 1836 veröffentlicht, die Russen hätten nicht eine einzige Idee zur Gesamtheit der Ideen der Menschheit beigesteuert.3 Natürlich setzen die kritischen Urteile des stark von Schelling beeinflussten Petr Čaadaev und des angesehenen britischen Russlandhistorikers Simon Dixon hohe wissenschaftliche Standards voraus, welche politischen „Gedanken“ und Texte als „Idee“ oder „Theorie“ bezeichnet zu werden verdienen. Dennoch ist gegenüber solchen verallgemeinernden Urteilen Skepsis geboten, weil sie Russland leicht als eine intellektuelle tabula rasa erscheinen lassen, die seit jeher und auch nach Peter dem Großen offen und bereit gewesen wäre, jegliche geistigen Importe aus dem Westen kritiklos zu adaptieren, und auf alle Impulse von außen nur passiv reagiert hätte.

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Gesetzesmonarchie statt Despotie

  • Claus Scharf

摘要

„On grounds of originality, scarcely any Russian text belongs in the pantheon of European political thought“, heißt es beiläufig in einem neueren englischsprachigen Buch über die Geschichte der Modernisierung Russlands im „langen 18. Jahrhundert“ von 1676 bis 1825.1 Obwohl es in dem Werk dennoch ein kenntnisreiches Kapitel über „Ideology“ gibt,2 erinnert das strenge Zeugnis an die provozierende Kritik des prokatholischen zapadnik (Westlers) Petr Jakovlevič Čaadaev (1794–1856), 1836 veröffentlicht, die Russen hätten nicht eine einzige Idee zur Gesamtheit der Ideen der Menschheit beigesteuert.3 Natürlich setzen die kritischen Urteile des stark von Schelling beeinflussten Petr Čaadaev und des angesehenen britischen Russlandhistorikers Simon Dixon hohe wissenschaftliche Standards voraus, welche politischen „Gedanken“ und Texte als „Idee“ oder „Theorie“ bezeichnet zu werden verdienen. Dennoch ist gegenüber solchen verallgemeinernden Urteilen Skepsis geboten, weil sie Russland leicht als eine intellektuelle tabula rasa erscheinen lassen, die seit jeher und auch nach Peter dem Großen offen und bereit gewesen wäre, jegliche geistigen Importe aus dem Westen kritiklos zu adaptieren, und auf alle Impulse von außen nur passiv reagiert hätte.