Von Listen und Lücken – Literaturausstellungen und ihr Besuch als Kanonpraxis
摘要
Literaturmuseen und -ausstellungen sind keine anderen Orte, sondern Institutionen, die durch ihre Geschichte sowie patriarchale und koloniale Machtstrukturen geprägt sind. Zugleich sind sie Orte, an denen ästhetische Erfahrung möglich ist. Der Beitrag argumentiert dafür, diese beiden Perspektiven zu verbinden. Er zeigt am Beispiel von Kanonisierungsprozessen, in denen Literaturmuseen stehen und an denen sie mitwirken, wie Besuchende die Kanonisierungspraktiken von Museen, aber auch ihre eigene leibliche Anwesenheit, Wahrnehmung und andere Mikroakte als kanonisierende Handlungsmacht entdecken können. Es werden zum einen Vorschläge für die fachwissenschaftliche Lehre an den Universitäten gegeben, zum anderen Erfahrungen aus der eigenen kuratorischen Praxis geteilt. In beiden Fällen geht es darum, ästhetische Erfahrungen mit und am Dispositiv Ausstellung zu reflektieren, um den Blick für Kanonpraktiken der Auswahl und der Wertung, des Hinschauens und Übersehens zu schärfen.