Literaturmuseales Ausstellen – Geschichte eines Konzeptes
摘要
Dieser Beitrag behandelt die Geschichte und die Entwicklung des literaturmusealen Ausstellens, beginnend mit dem Brief des Marbacher Schillervereins vom 14. Oktober 1859, der als Gründungsurkunde der literarischen Gedenkstätten und Literaturmuseen verstanden wird. Er diskutiert die Bedeutung authentischer Orte wie Geburts- oder Sterbeorten von Schriftstellern und fragt, ob diese Orte heute noch die gleiche Bedeutung haben wie im 19. oder 20. Jahrhundert. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Semantisierung von Orten als geweiht oder sakral unter Bezugnahme auf neuere Theorieansätze. Dargestellt wird die Ausstellungspraxis des Literaturmuseums der Moderne in Marbach in Abgrenzung zu traditionellen literaturmusealen Ausstellungsformaten. Es wird betont, dass es keinen Königsweg zum literarischen Ausstellen gibt und dass der jeweilige Ort und die Sammlung unterschiedliche Ausstellungskonzepte erfordern. In diesem Sinne wird abschließend das Buddenbrookhaus in Lübeck als Beispiel für ein Literaturmuseum vorgestellt, das mit dem „begehbaren Roman“ eine neue Form des literaturmusealen Ausstellens entwickelt hat.