Noch immer fällt es der Exilforschung schwer, nicht nur die jüdische, sondern auch die politische Emigration als eine Bewegung zu begreifen, die nicht nur berühmte Schriftsteller, Wissenschaftler und Parteiführer zum Verlassen ihrer Heimat zwang, sondern auch zahlreiche kleine Funktionäre und parteilose Gegner des Nationalsozialismus, die sich den persönlichen Hass örtlicher Nazigrößen zugezogen hatten. Zwar bemüht sich – ausgehend von sozialwissenschaftlichen Fragestellungen – die sogenannte Grundforschung seit Beginn der siebziger Jahre um die Gesamterscheinung Exil, „zu der z. B. besonders auch der unbekannte Emigrant gehört, dessen Schicksal für die Kennzeichen der Exilexistenz sicher typischer ist, als das bekannter Autoren und Politiker,“2 aber die bisher publizierten Arbeiten der „Exilologen“ belegen doch ein unvermindert dominantes Interesse für die ‚Großen‘ des Exils. Wie aufschlussreich für unser Wissen über Fluchtanlass und -verlauf, über die Geographie des Exils und die Lebensbedingungen in den verschiedenen Gastländern gerade die Erinnerungen solch „unbekannter Emigranten“ sein können, zeigt exemplarisch der Bericht einer Flucht des seit 1939 in Finnland lebenden österreichischen Exilanten Adolf Molnar.

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Adolf Molnars Weg ins Exil

  • Andreas F. Kelletat

摘要

Noch immer fällt es der Exilforschung schwer, nicht nur die jüdische, sondern auch die politische Emigration als eine Bewegung zu begreifen, die nicht nur berühmte Schriftsteller, Wissenschaftler und Parteiführer zum Verlassen ihrer Heimat zwang, sondern auch zahlreiche kleine Funktionäre und parteilose Gegner des Nationalsozialismus, die sich den persönlichen Hass örtlicher Nazigrößen zugezogen hatten. Zwar bemüht sich – ausgehend von sozialwissenschaftlichen Fragestellungen – die sogenannte Grundforschung seit Beginn der siebziger Jahre um die Gesamterscheinung Exil, „zu der z. B. besonders auch der unbekannte Emigrant gehört, dessen Schicksal für die Kennzeichen der Exilexistenz sicher typischer ist, als das bekannter Autoren und Politiker,“2 aber die bisher publizierten Arbeiten der „Exilologen“ belegen doch ein unvermindert dominantes Interesse für die ‚Großen‘ des Exils. Wie aufschlussreich für unser Wissen über Fluchtanlass und -verlauf, über die Geographie des Exils und die Lebensbedingungen in den verschiedenen Gastländern gerade die Erinnerungen solch „unbekannter Emigranten“ sein können, zeigt exemplarisch der Bericht einer Flucht des seit 1939 in Finnland lebenden österreichischen Exilanten Adolf Molnar.