Ein Streifzug durch grenzüberschreitende Konzepte in der Literaturwissenschaft
摘要
Wie schon im vorherigen Kapitel näher besprochen wurde (vgl. Kap. 1.2), bietet der Duden mehrere Bedeutungsebenen des heute wieder so aktuell gewordenen Begriffs Grenze an. Die erste („durch entsprechende Markierungen gekennzeichneter Geländestreifen, der politische Gebilde voneinander trennt“, URL 1) und die zweite Bedeutung („Trennungslinie zwischen Gebieten, die im Besitz verschiedener Eigentümer sind oder sich durch natürliche Eigenschaften voneinander abgrenzen“, ebd.) sind primär auf geopolitischer Ebene von Interesse (vgl. Kap. 1.1), da sie einerseits Grenzverschiebungen implementieren, andererseits neue Grenzmarkierungen setzen (nicht zuletzt durch Kriegshandlungen). Der Ukraine-Krieg an der östlichen Grenze der Europäischen Union hat uns den geopolitischen Grenze-Begriff mit unerwarteter Dringlichkeit vor Augen geführt und unsere Vorstellung vom freien Verkehr von Gütern, Waren, Dienstleistungen und Ideen, einschließlich Ordnungs-Vorstellungen, die die Steuerung eines Prozesses ohne Aufhebung der Gesamtstruktur ermöglichen, grundsätzlich in Frage gestellt. Wir erleben heute hautnah die Dynamik einer „Metamorphisierung der Grenze“ (Mau 2021: 50), wie sie der deutsche Soziologe Steffen Mau in seinem Buch Sortiermaschinen beschreibt, einhergehend mit einer „Ent-Personalisierung von ‚Grenzen‘“, wie Jürgen Eder den Vorgang im einleitenden Kapitel nennt (Kap. 1.1: 30), in dem er das Scheitern des Ideals „eines Europas ohne Grenzen, eines kontinentalen Schengens“ (ebd.) angesichts der aktuellen Entwicklungen diagnostiziert.