Europa als work in progress. Das Thema der Grenze aus historisch-(geo)politischer Perspektive
摘要
Alle reden jetzt von Grenzen. Wir auch. Welche Art von Medien wir aktuell konsultieren mögen: Die Grenze als Thema ist omnipräsent. Dabei schien es seit dem ‚Grenz-Durchbruch‘ nach 1989 zumindest in einer Welt aus Willen und Vorstellung für Europa ‚erledigt‘, obsolet und war allenfalls ‚Erinnerungsort‘ als Mahnung an ein geteiltes Europa 1945–1989. Etwas wie eine Historisierung der Grenzen war im Gange, die Berliner Mauer, die deutsch-deutsche Grenze wurden zum Inventar einer Art „Retroland“ (Groebner 2018). Der weitgehende Konsens in Gesellschaft und Eliten, dass Grenzen in einer globalisierten, ‚nachbarschaftlichen‘ Welt nichts mehr zu suchen hätten, schien fest und dauerhaft. Grenzenlosigkeit immer großräumiger zur Realität werden zu lassen, schien die einzige Dynamik, wenn es um Grenz-Fragen ging. Schengen überhaupt war einer der großen Erfolge, ein Guthaben der Europäischen Union, das so manches Minus auf der Soll-Seite überdeckte. Was also ist seitdem geschehen?