Moral geteilt durch Möglichkeit
摘要
„Du darfst bei der literarischen Arbeit von Moral ausgehen, aber nicht auf sie hinauswollen“, lautet eine der „Schreibregeln“, die Dietmar Dath (2020: 44; Herv. i. O.) in seinem Werk Stehsatz formuliert hat. Bei dieser Schrift handelt es sich um eine Schreiblehre (so der Untertitel), die aus einer Poetikvorlesung Daths hervorgegangen ist, deren eigentliches Incitamentum aber ein Erlebnis aus der eigenen Schulzeit ist. In dessen Lichte entwickelt Dath eine regelbasierte Lehre, mit der er sich zudem in die Tradition des Ouvroir de littérature potentielle (Oulipo) einschreibt, jener Bewegung der „Potentiellen Literatur“, die sich durch die Arbeit mit kreativen Regeln (contraintes) einen Namen gemacht hat. Dieses in Stehsatz angelegte potentielle und zugleich vom Schulischen wegstrebende Ethos der Regeln – so möchte mein Beitrag zu zeigen versuchen – ist für literaturdidaktische Perspektiven insofern interessant, als darin Möglichkeiten aufscheinen, wie zwischen Themenorientierung und ,ästhetischer Eigengesetzlichkeit‘ vermittelt werden kann. Neben Stehsatz geht mein Aufsatz auch auf Daths Lektüren ausgewählter Oulipo-Texte sowie auf seinen Roman Waffenwetter (2007) ein.