Diegetische Aushandlungen des Antisemitismus in Franz Fühmanns Das Judenauto (1962)
摘要
In der 1962 erschienen Kurzgeschichte des DDR-Autors Franz Fühmann verfällt der neunjährige Ich-Erzähler einer antisemitischen Verschwörungstheorie: ein angebliches „Judenauto“ fahre übers Land und entführe arglose Kinder. Es handelt sich um eine literarästhetisch ausgestaltete Auseinandersetzung mit dem Phänomen des „Judenhasses“. Die sozialen Dynamiken und Projektionen, die sich in Folge des innerhalb der Diegese thematisierten Schauermärchens entfalten, geben auch heute noch Aufschluss über die Wirksamkeit von antisemitischen Verschwörungstheorien. Aufgrund seiner tiefgründigen Analyse gesellschaftlicher Entwicklungen in einem fiktionalen Gewand bietet der Text viele Anknüpfungspunkte, um die komplexe Thematik in der Sekundarstufe I umfassend zu behandeln und zeitgleich vielseitige literarische Lernprozesse zum Thema Kurzprosa zu initiieren.