Während der Prager Regierungszeit Rudolfs II. im 16. Jahrhundert und Anfang des 17. Jahrhunderts expandierte die Stadt als Zentrum von Kultur und Bildung, die nicht unwesentlich jüdisch geprägt war. Die jüdische Gemeinschaft sprach eine eigene Sprache, pflegte eine eigene Tradition, und besaß eine eigene Gerichtsbarkeit. Gleichzeitig blieb das jüdische Leben weitgehend ohne Bürgerrechte, ausgegrenzt vom Rest der Gesellschaft, eingesperrt im Ghetto in physischer, sozialer und kultureller Isolierung.1 In Auguste Hauschners Roman Der Tod des Löwen wird dies personifiziert in den Figuren des Rabbi Löw und seiner Tochter Golde dargestellt. Durch den Protagonisten, Kaiser Rudolf II., wird diese Ausgrenzung sowohl verstärkt als auch durchbrochen: Rudolf, der Repräsentant des römisch-katholischen Christentums, verkörpert die Faszination gegenüber jüdischem Wissen und jüdischer Kultur und gleichzeitig einen Antijudaismus2, dessen Historizität und Realität hier deutlich gespiegelt werden. Im Folgenden soll untersucht werden, wie Hauschner die Begegnung von Judentum und Christentum anhand jüdischer und christlicher Motivik in diesem Roman darstellt, wie Antijudaismus inszeniert, rezeptionsästhetisch aufbereitet und problematisiert wird. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Einsatz semantischer und narrativer Strategien zur Stiftung, Bestimmung und Konstitution von Identität und Fremdheit.

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Die Begegnung von Christentum und Judentum unter Rudolf II.

  • Rebecca Borbe

摘要

Während der Prager Regierungszeit Rudolfs II. im 16. Jahrhundert und Anfang des 17. Jahrhunderts expandierte die Stadt als Zentrum von Kultur und Bildung, die nicht unwesentlich jüdisch geprägt war. Die jüdische Gemeinschaft sprach eine eigene Sprache, pflegte eine eigene Tradition, und besaß eine eigene Gerichtsbarkeit. Gleichzeitig blieb das jüdische Leben weitgehend ohne Bürgerrechte, ausgegrenzt vom Rest der Gesellschaft, eingesperrt im Ghetto in physischer, sozialer und kultureller Isolierung.1 In Auguste Hauschners Roman Der Tod des Löwen wird dies personifiziert in den Figuren des Rabbi Löw und seiner Tochter Golde dargestellt. Durch den Protagonisten, Kaiser Rudolf II., wird diese Ausgrenzung sowohl verstärkt als auch durchbrochen: Rudolf, der Repräsentant des römisch-katholischen Christentums, verkörpert die Faszination gegenüber jüdischem Wissen und jüdischer Kultur und gleichzeitig einen Antijudaismus2, dessen Historizität und Realität hier deutlich gespiegelt werden. Im Folgenden soll untersucht werden, wie Hauschner die Begegnung von Judentum und Christentum anhand jüdischer und christlicher Motivik in diesem Roman darstellt, wie Antijudaismus inszeniert, rezeptionsästhetisch aufbereitet und problematisiert wird. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf dem Einsatz semantischer und narrativer Strategien zur Stiftung, Bestimmung und Konstitution von Identität und Fremdheit.