Ein Anfang
摘要
Mein Kinderzimmer hatte eine besondere Wand. Eine Dachschräge, die ich mit Plakaten und Flyern vollgeklebt und mit Notizen bekritzelt hatte. Da hingen Techno-Flyer aus den 1990ern durcheinander, übereinander, neben kurzen Sprüchen und Eintrittskarten, Sticker des Phantasialands, ein Bild von Michael Jackson neben Westbam. Eine große Collage aus allem, was mich interessierte, wo ich gewesen war und was mich ausmachte. Als meine Eltern bald nach meinem Auszug zum Studienbeginn das Zimmer okkupierten, mein Kinderbett auseinanderbrachen und zusammen mit dem Schrank und dem Schreibtisch zum Sperrmüll an die Straße stellten, standen sie etwas ratlos vor der wilden Wand. Meiner Mutter gelang es in stundenlanger Arbeit, die Collage in einem Stück von der Wand zu lösen, zusammen mit Resten der Tapete. Sie faltete sie. Es entstand ein dickes, schweres Paket aus Zetteln, Raufasertapete und einer Menge Tesafilm. Beim nächsten Besuch bekam ich das Paket in die Hand gedrückt und freute mich sehr. In der neuen Wohnung landete es im Keller. Jedes Mal, wenn ich es dort in einem Karton in der Ecke sah, schämte ich mich. Das Konvolut aus Erinnerungen war mir doch immer so wichtig gewesen. Ich überlegte, was ich damit anfangen könnte. Und ich merkte, dass die Collage ihre Bedeutung verloren hatte. In meinem Kinderzimmer war sie ein kohärenter Teil des Zimmers gewesen. Ohne das Zimmer machte die Collage irgendwie keinen Sinn mehr.