Sakralisierung der Revolution im Aufstand der Jungen
摘要
Berlin, letztes Kriegsjahr 1918: die Stadt ist düster, schmutzig und heruntergekommen. Das gilt nicht nur für ihren äußeren Zustand, sondern auch für ihre moralische Verfassung. In scharfem Kontrast zueinander stehen Armut und Hoffnungslosigkeit einerseits, Luxus und enthemmte Gelage und Feiern andererseits. Neue, trügerische Hoffnung, vorübergehenden Siegesglanz, der auch auf Berlin fällt, bringt die Frühjahrsoffensive der deutschen Truppen: »Die Stadt hatte geflaggt. Siege, Siege!« (281)1 Spät ist davon die Rede, dass es »gewisse Schwierigkeiten an der Front« gebe (375). Erst am Schluss2 wird von der Revolution erzählt, so dass man versucht ist, den Autor Bernhard Kellermann der Irreführung des Lesers zu bezichtigen. Hat er eigentlich einen Kriegsroman geschrieben, obwohl der Titel Der 9. November auf die Revolution verweist?3 Eben das ist sein zentraler Kunstgriff: Die Revolution schlummert schon in allem, wovon zuvor die Rede war.