Hatte Georg Hermann einen Stimmungsroman geschrieben, so lässt der Titel von Theodor Plieviers zweitem Roman einen Thesenroman1 erwarten. Die Revolution wird metonymisch von ihrem Ergebnis her gedeutet: Die Monarchie verschwindet, aber die meisten führenden Köpfe des alten Staates bleiben. In Untersuchungen über Leben und Werk von Theodor Plievier (1892–1955) wird oft darauf hingewiesen, wie politisch umstritten dieser Schriftsteller war und vielleicht immer noch ist. Die Kontroversen entzünden sich weniger an der literarischen Qualität seiner erfolgreichen zeithistorischen Romane – die bekanntesten sind sein Erstling, der Roman über die kaiserliche Kriegsmarine Des Kaisers Kulis (1930), und der Weltkriegsroman Stalingrad (1945) –, sondern an Plieviers politischer Position. Wolfgang Haug nennt seine 2020 erschienene Plievier-Biographie im Untertitel »Anarchist ohne Adjektive. Der Schriftsteller der Freiheit« und weist damit bestimmte Etikettierungen des Autors zurück, ohne selbst auf das Etikettieren ganz zu verzichten.

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Dokumentation der Ereignisse und Aufruf zum Mitleid

  • Günter Rinke

摘要

Hatte Georg Hermann einen Stimmungsroman geschrieben, so lässt der Titel von Theodor Plieviers zweitem Roman einen Thesenroman1 erwarten. Die Revolution wird metonymisch von ihrem Ergebnis her gedeutet: Die Monarchie verschwindet, aber die meisten führenden Köpfe des alten Staates bleiben. In Untersuchungen über Leben und Werk von Theodor Plievier (1892–1955) wird oft darauf hingewiesen, wie politisch umstritten dieser Schriftsteller war und vielleicht immer noch ist. Die Kontroversen entzünden sich weniger an der literarischen Qualität seiner erfolgreichen zeithistorischen Romane – die bekanntesten sind sein Erstling, der Roman über die kaiserliche Kriegsmarine Des Kaisers Kulis (1930), und der Weltkriegsroman Stalingrad (1945) –, sondern an Plieviers politischer Position. Wolfgang Haug nennt seine 2020 erschienene Plievier-Biographie im Untertitel »Anarchist ohne Adjektive. Der Schriftsteller der Freiheit« und weist damit bestimmte Etikettierungen des Autors zurück, ohne selbst auf das Etikettieren ganz zu verzichten.