„Ach, du liebe Zeit“
摘要
„Liebe Kinder, […] euch ist bänglich zumute, und man kann nicht sagen, dass euer Instinkt tröge. Eure Stunde X hat geschlagen. […]. Das Leben nach der Uhr beginnt, und es wird erst mit dem Leben aufhören.“1 In seiner Ansprache zur Einschulung bringt Erich Kästner es auf den Punkt. Schule vermittelt als Institution die gesellschaftliche Ordnung der Zeit und dieser entgeht keiner zeitlebens mehr. Im Gegenteil, man hält die abstrakt genutzte Zeit nach und nach für natürlich gegeben. Dass dem nicht so ist, zeigt schon der Vergleich der eigenen Gefühle während einer Stunde auf dem Zahnarztstuhl und einer ebenso langen Zeitspanne in einem spannenden Kinofilm. Die abstrakt getaktete Zeit und die individuelle Erlebniszeit stehen in Spannung zueinander. Die individuelle und die gesellschaftliche Zeit treten oft genug in einen Konflikt. Lehrkräfte fordern Zeitdisziplin ein, während die Beschulten oft genug bewussten oder unbewussten Widerstand leisten, zu spät kommen, trödeln, die Zeit vergessen oder Termine nicht einhalten. Pädagogisches Ziel ist die individuelle Zeitkompetenz, sich den gesellschaftlichen Erwartungen ‚aus freien Stücken‘ zu unterwerfen und eine entsprechende Selbststeuerung zu erlernen. Der gesellschaftliche Umgang mit der Zeit soll so internalisiert werden, dass dieser zur ‚zweiten Natur‘ wird.2 Ist dies unumgänglich, um in der modernen Gesellschaft integriert zu sein, so ist der individuelle Preis hoch und äußert sich im Gefühl des negativen Stresses. Dieser ist auch Schüler/innen meist gut vertraut.