Vollständigkeit und Fragmentierung
摘要
Die Bestimmung des Fragments bzw. des Fragmentarischen, die Friedrich Schlegel in Bezug auf einen konkreten historischen Diskurs der Frühromantik vornimmt, gilt einer zeitgenössischen ,Modegattung‘, die das Ideal der (inhaltlichen) Unabgeschlossenheit bei gleichzeitiger (formaler) Begrenztheit als positives Charakteristikum des literarischen Fragments kultiviert.2 Bedeutsam für die Frage nach dem Verhältnis von Fragment und Totalität ist nicht das grundsätzliche – weithin bekannte – Interesse der Zeit um 1800, des „Blüte-Jahrzehnt[ s] ästhetischer Fragmentaristik“,3 an der Tradition aphoristischen Stils. Vielmehr lässt sich an Schlegels Ausspruch ein Begriff zeitgenössischer Modelle von Textualität ablesen, der mit einem dezidiert poetologischen Konzept des Fragments als eines intentional hergestellten Ganzen operiert:4 „Viele Werke der Alten sind Fragmente geworden.