Einleitung
摘要
Der vorliegende Band untersucht die allmähliche Ausdifferenzierung von Recht und Moral in der Aufklärung. Dabei geht es nicht nur um die ideengeschichtliche Rekonstruktion der argumentativen Grundlegung dieser Differenz besonders seit Christian Thomasius, sondern auch um die damit einhergehenden disziplinären Verschiebungen: Durch die verstärkte Einsicht in die Notwendigkeit einer äußerlich erzwingbaren Ordnung gipfelte der juristische Diskurs in den großen Gesetzeskodifikationen, vor allem dem Allgemeinen Landrecht für die Preußischen Staaten (1749–1794) und dem Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuch für die österreichischen Staaten (1811); das Postulat einer inneren Verbindlichkeit moralischer Normen und die Überzeugung von ihrer gemeinschaftsstabilisierenden Funktion wurde dadurch allerdings nicht aufgegeben, sondern in der Moralphilosophie aufrechterhalten und vor allem in der Literatur verhandelt.