Der Chief Geotectonic Officer im Wirtschaftskrieg : Wie sollen sich Unternehmen und Staaten auf den verschärften Systemwettbewerb einstellen?
摘要
Der Überfall Russlands auf die Ukraine hat das nach Finanzkrise, Schuldenkrise und Covid-19-Pandemie mit der Folge von Lieferkettenkrisen bereits vielerseits hinterfragte westliche Modell einer regelgebundenen Ordnung global weiter unter Druck gesetzt. Vor allem atypische Kapitalismusformen, insbesondere der Kapitalismus chinesischer Prägung, fordern es heraus. Der Begriff „Wirtschaftskrieg“ zählt inzwischen zum Standardrepertoire von Politik und Presse. Eine Erklärung für das Aufbrechen von Konflikten findet sich in der Dominanzerwartungstheorie. Sie postuliert, dass selbst Länder, die aktuell kooperieren, in einen Konflikt einsteigen, wenn sie meinen, diesen jetzt noch, vielleicht aber nicht in Zukunft gewinnen zu können. Tatsächlich haben die USA, Russland und China aus unterschiedlichen Gründen negative Dominanzerwartungen, ihre Aggressivität steigt militärisch und wirtschaftlich. Der Beitrag analysiert, ob analog zum „Gleichgewicht des Schreckens“, das nach dem Zweiten Weltkrieg über 45 Jahre globalen Frieden, trotz lokaler Konflikte, gewährleistet hat, nunmehr auch die Wirtschaft vor allem in Europa im Sinne einer glaubhaften Abschreckung „aufrüsten“ muss, um das liberale Ordnungsmodell zu verteidigen. Thematisiert wird daher das Erfordernis einer strategischen Frühaufklärung seitens Staaten und Unternehmen, verbunden, mit einer Lageanalyse, also dem Einschätzen der eigenen Lage und der des Rivalen, zur Entschlussvorbereitung. Das ist über einen Chief Geo-Tectonic Officer (CGTO) – auf staatlicher Ebene wäre er der Sicherheitsberater amerikanischer Prägung – zu institutionalisieren, um klare Entscheidungen fällen zu können, wenn die Bedingungen dies erfordern.