tugent und saelde im Artusroman
摘要
In mittelalterlichen Texten und Bildzeugnissen begegnen wir vor allem zwei aus der Antike und Spätantike übernommenen Glücksvorstellungen1: der Idee des Kairos bzw. der Occasio (der glücklichen Gelegenheit, die man nicht ungenutzt vorbeigehen lassen, sondern sie „beim Schopfe packen“ solle)2 und (noch häufiger) der Vorstellung, die Boethius (480–524), durch Verleumdung aus einflussreicher Stellung bei Theoderich dem Großen ins Unglück gestürzt, in seiner im Kerker verfassten Consolatio Philosophiae3 entworfen hat: der Vorstellung der Rota Fortunae, des in dauerndem Umschwung befindlichen Glücksrads, der launischen Fortuna, die alle Menschen, die sich ihrem Rad anvertrauen, nach oben (ins Glück), aber auch wieder nach unten (ins Unglück) gelangen lässt4, ein Sinnbild für die Unbeständigkeit und Nichtigkeit alles Irdischen, für den besonnenen Menschen deshalb ein Antrieb, nach dem das Weltliche transzendierenden Beständigen Ausschau zu halten5, und insofern auch ein Werkzeug göttlicher Heilspädagogik, wie ja Fortuna nach der Meinung des Boethius ohnehin nicht autark agiere, sondern letztlich von Gott gelenkt, so dass alles, was als Schicksal (als Fortuna) erscheine, eigentlich in der Vorsehung Gottes (in seiner Providentia) vorherbestimmt sei6 – ein Trost für tiefer nachdenkende Menschen.