Zusammenfassung und Ausblick auf Bachs kompositorische Entwicklung
摘要
Das vielfältige Experimentierfeld mit Schaffung einer neuen Form einer Choralfantasie en miniature in den Neumeister-Chorälen und in einigen Variationen seiner Choralpartiten sowie die ausgedehnteren Beispiele zur Gattung Choralfantasie (BWV 739, 718, 720 und 1128) finden keinen Niederschlag in Kompositionen seiner Schüler vor 1708. Da sich aber die analysierten Beispiele aus den Neumeister-Chorälen als anregende Modelle zur choralgebundenen Improvisation anbieten, können die kompositorischen Ideen sehr wohl in Bachs Unterricht eingeflossen sein und die improvisatorischen Fähigkeiten seiner Schüler verbreitert haben – nur existieren hierzu keine Zeugnisse und Dokumente, abgesehen von der späteren Aussage Johann Gotthilf Zieglers (1688–1747, ca. 1710/11 Schüler Bachs in Weimar),1 der anlässlich einer Bewerbung um das Organistenamt an der Marktkirche in Halle (Saale) noch 1748 schrieb: »Was das Choral Spielen betrifft, so bin ich von meinem annoch lebenden Lehrmeister dem Herren Capellmeister Bach so unterrichtet worden, daß ich die Lieder nicht nur so obenhin, sondern nach dem Affect der Worte spiele.«2 Diese Frucht des Bach’schen Unterrichts bezieht sich nicht nur auf die Choralbegleitung der Gemeinde,3 sondern auch auf Choralvorspiele.